Im International Journal of Communication bekam die französische Aktivisten-Gruppe „Bastion Social“ den sattsam bekannten Stempel verpaßt: Es handele sich um „a French neo-fascist political movement“. Dummerweise aber will die „Soziale Festung“ so gar nicht in althergebrachte Schubladen passen, auch wenn es notorischen Schematikern nicht gefällt. 2017 gegründet, zündeten die zumeist jungen französischen Aktivisten auch gleich die Signalrakete: In Lyon besetzten sie ein leerstehendes, der Stadt gehörendes Gebäude, um es zu renovieren und die Räumlichkeiten obdachlosen Landsleuten zur Nutzung zu übergeben.

Die Polizei räumte das Haus, was den Elan der jungen Leute eher noch anstachelte. So entstanden Strukturen unter anderem in Lyon und in Straßburg: Bars, Büchereien, Räume, in denen Lebensmittel und Kleidung für bedürftige Franzosen gesammelt wurden. Neben dem Kampf um Wohnraum gehörten rechtliche Unterstützung und praktische Hilfe in Lebensfragen zu den maßgeblichen Aktivitäten des „Bastion Social“.

Eine Einheit: Sozialer und nationaler Gedanke

Er steht quasi stellvertretend für eine politische Jugendkultur, die – graswurzelartig vorgehend – mit althergebrachten politischen Strukturen abgeschlossen hat. Aus ihrer Sicht hat die sozialdemokratisch orientierte Linke längst den Bezug zu den Problemen der Basis verloren und sich als Teil des liberalkapitalistischen Establishments entlarvt, aber auch bürgerlich-konservative Strukturen werden als „reaktionär“ abgelehnt. Sie stehen für das Festzurren von Besitzständen, Stillstand und Atomisierung, noch befördert durch die Globalisierung. Beide kommen für den Kampf um die Schaffung einer national-solidarischen Gesellschaft (besser: Gemeinschaft) nicht in Frage. Die hinter der „Bastion Social“ stehende Idee verbindet den sozialen mit dem nationalen Gedanken. Soll also die Sozialpolitik nicht eine Allerwelts-Veranstaltung werden und aus dem Ruder laufen, muß sie nationalen Präferenzen folgen. Daraus ergibt sich fast schon zwangsläufig der Kampf gegen Überfremdung, der nicht nur ein ökonomisches, sondern auch ein ideelles, identitäres Moment enthält. Soziale und nationale Frage werden – im Falle der „Sozialen Festung“ durch praktische Basisarbeit – miteinander verknüpft.

„Bis zum Sieg!“

Am 28. März hat die jungen Leute dann die Verbotskeule getroffen: Präsident Emmanuel Macron verfügte die Auflösung von „Bastion Social“, wobei als Vorwand der wachsende Antisemitismus in der französischen Gesellschaft herhalten mußte. Dieser aber geht am allerwenigsten von ethnischen Franzosen, sondern in erster Linie von arabischen Strukturen aus – der Nahostkonflikt ist auch nach Frankreich hinübergeschwappt.  

Die Auflösung erfolgte aber nicht zuletzt als Reaktion auf die Besetzung von zwei Häusern in Enzheim (französisch: Entzheim), einer kleinen Stadt im Arrondissement Straßburg. Auch hier stand als Ziel die Sanierung, um die Wohnungen dann französischen Obdachlosen zur Verfügung zu stellen. Die Aktivisten nahmen das Verbot, hinter dem die Angst vor grundlegender Kritik an Mißständen steckt, mit Gelassenheit auf, da ja Idee und Mitstreiter erhalten bleiben. Die Graswurzel-Aktivisten geben sich laut dem Portal podcast.jungeuropa.de jedenfalls kämpferisch: „Der Kampf für die Befreiung des französischen Volkes ist noch nicht zu Ende. Er hat gerade erst begonnen. Bis zum Sieg!“

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