Zu den maßgeblichen Organisatoren der am Sonnabend, den 18. Mai 2019 in Brüssel stattfindenden öffentlichen Demonstration unter dem Motto „Freiheit für Ungarn – Freiheit für Europa“, die unter anderem von Europa Terra Nostra unterstützt wird, gehört die noch junge ungarische Partei Mi Hazánk (Unsere Heimat), deren Parteivorsitzender László Toroczkai nicht allein nur aufgrund seiner Rolle bei der Besetzung des Staatsfernsehens im Rahmen der Massenproteste 2006 oder wegen der 71,5 Prozent, mit denen der Nationalist 2013 zum Bürgermeister der südungarischen Grenzgemeinde Ásotthalom gewählt wurde, Bekanntheit erlangte. Hauptsächlich kennt man Toroczkai als „geistigen Vater des Zauns, den die ungarische Regierung 2015 entlang der Grenze zu Serbien errichtet hat“, wie es die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) einmal ausdrückte.

Toroczkai war Vizepräsident der Jobbik, gründete aber mit zahlreichen ehemaligen Jobbik-Mitgliedern im letzten Jahr die Mi Hazánk, nachdem die Jobbik im Kampf gegen Viktor Orbáns Fidesz eine 180-Grad-Wendung vollzog und zunehmend mit dem links-liberalen Block kooperiert. Inzwischen schwenkte Jobbik sogar auf EU-Kurs und NATO-freundliche Politik ein. An Fidesz wiederum kritisiert Mi Hazánk beispielsweise die enge Kooperation mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu innerhalb der Visegrád-Gruppe, da die israelische Politik aufgrund ihrer Destabilisierungspolitik im Mittleren Osten und in Nordafrika wesentlich mitverantwortlich für das ausufernde Migrationsproblem ist.

Ásotthalom bezeichnet Bürgermeister Torczkai inzwischen als eine der sichersten Gemeinden in Europa. Als Mi Hazánk-Parteivorsitzender erklärt er es als Ziel der erst im vergangenen Sommer gegründeten Partei, Ungarn zu einer weißen Insel innerhalb Europas zu machen. Nach den Erfahrungen des Jahres 2015 verkündete Toroczkai für seine Kommune ein Dekret, wonach das Tragen von Niqab, Chador oder ähnlicher muslimischer Kleidung sowie die Eröffnung einer Moschee oder die Errichtung eines Minaretts untersagt sind. Gegenüber der NZZ wies Toroczkai auf eine neu errichtete Moschee im nur acht Kilometer entfernten serbischen Grenzort Subotica hin, und erklärte, nicht nur aktuelle Probleme im Blick zu haben, sondern als guter Politiker auch vorausschauend handeln zu wollen. Es handle sich um ein nahes Problem und „Wir sind eine zu hundert Prozent ungarische und christliche Gemeinde und wollen dies bleiben“, erklärte Toroczkai weiter. Überdies untersagte er in seiner Kommune die öffentliche Werbung für gleichgeschlechtliche Ehen.

Toroczkai führt die Europawahlliste der Mi Hazánk an, gefolgt von der jungen Parlamentsabgeordneten Dóra Dúró. Auf der 63 Personen umfassenden Mi Hazánk-Liste befinden sich auch Kandidaten der Ungarischen Wahrheits- und Lebenspartei (MIÉP) sowie der Unabhängigen Partei der Kleinlandwirte, Landarbeiter und des Bürgertums (FKGP). Wahlkampfchef Előd Novák bezeichnete diese nationale Liste als wertebasierte Alternative sowohl zur gegenwärtigen Regierung, als auch gegen den prinzipienlosen links-liberalen Block.

Der Parteivorsitzende László Toroczkai mit der Abgeordneten Dóra Dúró

Parteivorsitzender Toroczkai prangerte erst unlängst das ungarische Stipendienprogramm für ausländische Studenten an, da die staatlichen Förderungen für ausländische Studenten zweieinhalbmal höher seien als für ungarische Studenten. Überdies machte er mit einer Beschwerde bei der obersten Staatsanwaltschaft gegen das Vorhaben einer Roma-Provinz in Nordungarn der Opre Roma Partei von sich reden. Toroczkai zog den Vergleich eines zweiten Trianon-Vertrags. Aufgrund des Trianon-Vertrages nach dem Ersten Weltkrieg verlor Ungarn große Teile seines Staatsgebiets. Die noch kaum ein Jahr junge Partei steht bei den Umfragen zur kommenden Europawahl bislang bei etwa zwei Prozent. Allerdings dürfte ihr mit ihrem Protest an der EU und deren Verhalten gegenüber Ungarn am 18. Mai in Brüssel ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung breiterer Wahrnehmung gelingen.

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