Am 8. Oktober 1991 entschied das kroatische Parlament, alle staatsrechtlichen Verbindungen mit der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien abzubrechen. Dieser Akt wurde als endgültige Entscheidung des kroatischen Volkes betrachtet, damit begann die kroatische Unabhängigkeit. Jahre nach dem Unabhängigkeitskrieg, nach der „Transition“, also nach dem Transformationsprozess der sozialistischen und halbfreien Marktwirtschaft in ein System, das auf Privateigentum und freier Marktwirtschaft beruht, nach dem Beitritt Kroatiens zur NATO und zur Europäischen Union 2013 stellt man sich die Frage – wie viel ist von der erkämpften Souveränität Kroatiens geblieben?

Am 8. Oktober 2018 feierten die Kroaten weltweit wieder ihren Unabhängigkeitstag, doch viel Grund zu feiern haben die Kroaten nicht. Das Land ist schwer betroffen von einer endlosen ökonomischen Krise. Junge, gebildete Kroaten verlassen das Land in Scharen, was das Land von knapp über vier Millionen Einwohnern zusätzlich schwächt. Demographisch ist Kroatien eines der schwächsten Länder in Europa mit einem Durchschnittsalter von 46 Jahren. Die Regierungen nach 1999 und nach dem Tod des ersten kroatischen Präsidenten Franjo Tudjman waren streng an Brüssel und an Washington orientiert – mit sehr wenig Gefühl und Interesse für das eigene Volk. Zur gleichen Zeit – am 8. Oktober 2018 – gingen im Nachbarstaat Bosnien und Herzegowina die Menschen an die Wahlurnen.

Dayton-Vertrag von 1996 kein Fundament für Frieden

Das sogenannte „ethnische Frankenstein-Monster“ Bosnien und Herzegowina, dessen Population aus drei gegenseitig verhassten sowie historisch, religiös und kulturell verschiedenen Völkern besteht (orthodoxe Serben, muslimische Bosniaken und katholische Kroaten), wird schon seit mehr als 20 Jahren von der „internationalen Gemeinschaft“ künstlich am Leben erhalten und als ein „multikultureller Erfolg“ dargestellt. In Wahrheit empfinden alle drei Völker den Staat Bosnien und Herzegowina als eine Art Kerker. Die innerliche administrative Teilung Bosniens gehört zu den kompliziertesten Gebilden in Europa. Der Dayton-Vertrag von 1996, der den Kriegen im ehemaligen Jugoslawien ein Ende bereitete, war ein von den Amerikanern initiiertes Abkommen, das kein Fundament für einen endgültigen Frieden wurde, sondern für Konflikte sorgte, die nach den Wahlen vom 8. Oktober 2018 so real und nahe sind wie nie zuvor.

Bosnien und Herzegowina besteht aus zwei politischen Entitäten. Der erwähnte Dayton-Vertrag aus dem Jahr 1996 bestätigt, dass die Serben, die 30 Prozent der Bevölkerung ausmachen, 49 Prozent des gesamten Territoriums von Bosnien und Herzegowina erhalten. Die Serben proklamierten und bauten so ihren Para-Staat innerhalb Bosniens auf – die sogenannte Republik Srpska. Die andere Entität ist die sogenannte Föderation Bosnien, wo Kroaten und Bosniaken zusammen eine administrative Einheit bilden.

Tummelplatz für Jihadisten und Islamisten

Die Kroaten proklamierten, während der Krieg in Bosnien tobte, genau wie die Serben innerhalb Bosniens ihren eigenen Staat, die sogenannte Kroatische Republik Herzeg-Bosnien, die alle ethnisch kroatischen Teile Bosniens und Herzegowinas vereinte. Vor dem Beginn des Krieges machten Kroaten fast 20 Prozent der Population Bosniens aus. Nachdem die muslimischen Bosniaken durch die Serben schwere militärische Niederlagen erlitten hatten, entschieden sich die muslimischen Bosniaken für einen Angriff auf die unvorbereiteten ethnisch kroatischen Enklaven. Die muslimische Führung brachte in den Jahren 1992/1993 zahlreiche Jihadisten und extremistische Moslems aus Jordanien, dem Irak, Syrien, Saudi-Arabien, Somalia usw. nach Bosnien, um in den Krieg einzutreten. Durch die Angriffe der Moslems wurden mehr als 120.000 Kroaten vertrieben und Tausende ermordet. Ein großer Teil Mittel-Bosniens wurde ethnisch gesäubert und mit Moslems besiedelt.

Wegen amerikanischer Interessen und des Kalküls im Pentagon wurde am Ende des Krieges die Kroatische Republik Herzeg-Bosnien aufgelöst, und die Kroaten in Bosnien verloren ihr Recht auf Selbstbestimmung. Sie mussten zusammen die Entität „Föderation Bosnien“ mit den Moslems teilen. Diese politischen Fundamente Bosniens werden am sichtbarsten, wenn es um politische Entscheidungen geht. Da die Kroaten während des Krieges von 20 Prozent auf knapp 15 Prozent der Gesamtbevölkerung schrumpften, verloren sie auch an politischer Macht. Während die Serben in ihrer Serbischen Republik unabhängig von den muslimischen Bosniaken und Kroaten ihre eigenen Entscheidungen treffen können und ihre Abgeordneten alleine wählen, müssen sich die Kroaten dem politischen Willen der Moslems unterwerfen, da die Moslems alleine die absolute Mehrheit der Gesamtbevölkerung ausmachen. So kam es dazu, dass die muslimischen Bosniaken die kroatischen Abgeordneten selbst wählen und dadurch die Kroaten in einem politischen Schachmatt halten. Es werden Leute als kroatische Abgeordnete gewählt, die das politische Spiel der Moslems mitspielen. Auf lokaler Ebene wird den Kroaten verboten, ihre Sprache, Kultur und Religion zu leben, Medien in kroatischer Sprache wie Zeitungen und kroatische Fernsehprogramme werden verboten. Auch Jahre nach dem Krieg tobt ein Kultur- und Religionskampf zwischen Kroaten und Moslems. Als kroatisches Mitglied der dreiköpfigen Präsidentschaft Bosniens wurde Zeljko Komsic gewählt, der seit langem die Politik der Moslems unterstützt. Die Kroaten in Bosnien und Herzegowina – ausgespielt und ignoriert – verlangen ein neues Wahlsystem und das Recht auf Selbstbestimmung, so, wie es die Serben auch bekommen haben.

Rücken Serben und Kroaten zusammen?

Obwohl die Politik Zagrebs und Belgrads noch stark von dem Kriegserbe der 90er Jahre beeinflusst wird und beide Seiten sich sehr schwer damit tun, auf diplomatischer Ebene zu einem konstruktiven Dialog zu gelangen, so sorgt der politische, institutionelle Islamismus in Bosnien dafür, dass sich die bosnischen Serben und Kroaten immer näher kommen. Die Serben, trotz ihrer außergewöhnlich guten Situation in Bosnien im Vergleich zu den Kroaten, können nicht auf eigene Faust das machen, was sich jeder Serbe in Bosnien wünscht, und das ist die absolute Spaltung und Unabhängigkeit der Republik Srpska und ihre eventuelle Angliederung an Serbien. Die Kroaten, die politisch isoliert sind, sehen in einer Zusammenarbeit mit den Serben die Chance, das Gleiche zu bekommen, was die Serben mit dem Dayton-Vertrag in Bosnien erhalten haben.

Der allgemeine Drang und die Not zur Zusammenarbeit der Kroaten und Serben wird noch offensichtlicher, nachdem Bosnien die alternative Route für Tausende illegaler Flüchtlinge geworden ist. Die muslimische Regierung hat schon begonnen, Asylanten in kroatischen und teilweise serbischen Städten und Dörfern anzusiedeln.

Die Brüssel-treuen Regierungen in Kroatien und Serbien bzw. ihre Politik des Status Quo macht es den Kroaten und Serben in Bosnien noch schwerer, ihre politischen Rechte zu erhalten. Die bittere Realität der Kroaten und Serben in Bosnien ist, dass sie ganz allein auf sich gestellt sind und nicht viel Hilfe aus Kroatien und Serbien erwarten können. Wenigstens nicht so lange, bis ex-jugoslawische Politiker, die sich heute als Eurokraten ausgeben, die politische Bühne verlassen und durch neue, politische und patriotische Kräfte in beiden Ländern ersetzt werden. Wie lange das dauern wird, das wissen die Kroaten und die Serben selbst nicht, doch die Migrantenkrise, der immer radikalere politische Islamismus in Bosnien und die ungünstigen demographischen Entwicklungen setzen ein klares Zeichen, dass der Streit und der Hass zwischen den zwei christlich geprägten Völkern überwunden werden muss, wenn Kroaten und Serben eine Zukunft haben sollen.

Ivan Bilokapić

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